Echt beten: Bekenntnisse eines braven Beters

Wie würdest du dein bisheriges Gebetsleben beschreiben? Ernst? Teilnahmslos? Leidenschaftlich? Ehrlich? Direkt? Passiv? Langweilig? Kurz oder lang? Schnell oder langsam? Nun, wenn es dir so geht wie mir, kannst du dein Gebetsleben einfach nicht in diese Schubladen kategorisieren. Wenn ich wirklich ehrlich bin, weiß ich gar nicht, was ein „Gebetsleben“ ist.

Verstehe mich nicht falsch. Das heißt nicht, dass ich nicht bete. Es gibt Momente, in denen ich nichts anderes tue. Doch tue ich mich schwer, mein Reden mit Gott anhand einer Skala zu messen. Du auch, oder? Manchmal fühle ich mich Gott so nahe, dass ich fast seinen Atem auf meiner Haut spüren kann. An anderen Tagen rutsche ich mit meinen Gedanken so ab, dass ich ganz vergesse, gerade gebetet zu haben (einmal, und das bleibt unser kleines Geheimnis, zockte ich während der Gebetszeit in der Gemeinde in meinem Kopf eine Runde Counterstrike). Ich glaube aber nicht, dass das Gott sonderlich stört (solange ich natürlich auf der Seite der Terroristen-Abwehr spiele). Gebet soll etwas Normales im Alltag sein, so wie essen oder trinken..

Unser Problem mit Gebet liegt vermutlich nicht an der Länge, an der äußeren Form oder der Disziplin unserer Gedanken. Ich hab’s schon oft versucht, das mit dem sich-zusammenreißen und so. Aber meine Schwierigkeit liegt viel tiefer. Und ich habe mich neulich dabei zum ersten mal erwischt. Es hat mich wirklich erschreckt... eines der schlimmsten Dinge, die mir je geistlich passiert ist..

Ich bin ein braver Beter geworden..

„Na und?“ denkst du dir wahrscheinlich. Aber warte mal - bevor ich dir das schildere, muss ich dich zuerst noch ein bißchen tiefer in meine gewöhnungsbedürftige Phantasiewelt führen. Denn ich habe ein Bekenntnis zu machen: ich liebe 50er-Filme. Diese alten schwarz-weiß Schinken, die nonstop auf Kabel 1 laufen. Ich könnte mir diese Dinger wirklich den ganzen Tag angucken. Das kommt vermutlich daher, dass meine Mutter mir diese Filme als Kind eingetrichtert hat. Schauspieler wie Doris Day, Marilyn Monroe, Cary Grant oder Gene Kelly..

Und dabei versetze ich mich oft in ihr Leben. Wie friedlich diese Zeit gewesen ist. Eine Zeit, in der der Mann ruhig Kettenraucher sein durfte und wo Frauen noch Hausfrauen waren. Das waren Zeiten! Der Mann kam nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und wurde mit einem Kuss seiner lieben Ehefrau empfangen, während der Hund die Tageszeitung brachte. Teenies saßen beim Openair-Kino in einem Mustang, während sie sich (nur) knutschten. Höflichkeit. Fairness. Anstand. Respekt..

Aber total unecht. Um sicher zu gehen habe ich Leute gefragt, die wirklich damals zu dieser Zeit lebten. Sie bestätigten mir das, was für uns alle offensichtlich war: diese Welt gab es nur auf der Leinwand, aber nie in Wirklichkeit. Total unauthentisch. Und so fühlte ich mich, als ich mich beim beten erwischte. „Danny, glaubst du wirklich dieses blabla, dass du Gott aufs Ohr drückst?“ Es ist wirklich passiert: ich bin ein braver Beter geworden..

König David aus der Bibel ist mir während dieser Zeit ans Herz gewachsen. Er war ein echter Mensch mit echten Gefühlen. Nicht nur so 'ne christliche Pappfigur aus der Maschine. Und das faszinierte mich an seinen Liedern und Gebeten im Alten Testament, die wir Psalmen nennen. Ehrlich gesagt bin ich manchmal über das schockiert, was er schreibt. Eine kleine Kostprobe gefällig?.

Babylon, auch du wirst bald verwüstet! Gott segne den, der dir heimzahlt, was du uns angetan hast.
Gott segne den, der deine Kinder packt Und sie am Felsen zerschmettert!
(Psalm 137,8f).

Ich möchte die Gedanken Davids nicht entschuldigen. Sie sind sicherlich nicht in Ordnung. Aber sie beweisen, dass David so unheimlich stark mit Gott verbunden war, dass sie ihm nicht peinlich waren. Kann ich auch so sein? Es fällt mir schwer. Dir auch? Ich habe auch oft einen Riesenzorn auf gewisse Menschen, ich bin so oft von der Wut ergriffen. Aber ich gehe damit nie zu Gott. Ich fühle mich so oft gestresst, verletzt und alleine gelassen, setze mich aber dann zum Abendessen hin und stöhne zähneknirschend ein „Herr, segne dieses Essen, Amen.“ Das ist einfach nicht ein Gebet, das Gott hören will. Es beweist lediglich den Versuch, mich hinter meiner frommen Maske zu verstecken. Denn Christen dürfen so nicht beten. Und so isoliere ich mich von einer leidenschaftlichen Beziehung zu Jesus..

Mein Gott... warum hast du mich verlassen?
(Psalm 22,2).

Die Psalmen möchten uns zeigen, dass Gott zuhört und das wir ihn hinterfragen dürfen. Sie möchten uns ein authentisches Gebetsleben beibringen. Tage der Anbetung, des Jubels. Tage des Lobpreises. Aber auch Tage des Meckerns, der Tränen und Tage der Enttäuschung. Rede mit Gott! Sag ihm heute was du wirklich auf dem Herzen hast. Gott ist mehr an unserer momentanen Situation als an unserer Frömmigkeit interessiert. Wann kapieren wir das?.

Für mich war es eine harte Lektion, die ich lernen musste. Ich vergesse es oft und falle immer wieder in alte Vorgehensweisen. Ich muss mich immer wieder daran erinnern: es gibt nichts schlimmeres als brave Beter..

Danny Gandy
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manni (http://www.jesusfreaks-eppingen.de)
15/01/2006 13:14 Uhr
die frage ist glaub ich: was willst du?
muss dich jemand zu deinem hobby zwingen? eher nich..
die frage is: will ich wirklich gottes dinge tun und liebe ich ihn?

ich glaube, dass wir gott heute zu oft zu einem teil unserer biographie, zu unserem lifestyle. tief in uns drin, wollen wir aber nur ein schönes leben haben.
dann wird beten eben schnell platt.

ich kenn beides.

ps: @cs
ich glaube wenn man beim beten nur noch an andere dingen denkt (egal ob cs oder was anders), sollte man es mal ne weile lassen - die anderen dinge und nich das beten!
Arne (http://weneednewnoise.blogspot.com)
15/01/2006 14:07 Uhr
Naja aber es gibt ja auch Zeiten, wo man Gott nicht so liebt. Das wirst du auch noch erleben....
Das hat dann nichts mit Egoismus zu tun.
@Danny: super Artikel. Ich kann mich voll damit identifizieren.
Mir geht es oft in Gebetsgemeinschaften so, dass ich mich beteilige, aber mich danach eckle, weil ich merke: das waren nicht meine Worte. Das war nicht ehrlich. Erinnert mich an n Olli Schulz Lied:
"Du hast so viel geredet, fühlst dich etwas falsch."
Patrick (http://www.feg-ettlingen.de/linie7)
18/01/2006 18:27 Uhr
Interessant, ich beschäftige mich zur Zeit mit demselben Thema.

Ich habe auch feststellen müssen, dass ich oft nur oberflächlich bete und "ernstlich" bete, d.h. ich mache mir überhaupt nicht richtig bewusst für was ich eigentlich bete. Will ich das überhaupt wirklich? Und was bedeutet das eigentlich was ich da sage?
Im Nachhinein könnte ich mich als einen Phrasendrescher bezeichnen, der irgendwelche vorgefertigten Sätze an Gott formuliert, ohne es eigentlich wirklich ernst zu meinen.

Es ist wie, als ob ich mich in einem geistlichen Halbschlaf befinde / befand.

Es ist Zeit für Erweckung! :-)
michael
18/01/2006 20:17 Uhr
Mag sein, dass ich schon medial versaut bin. Doch beim Bild dachte ich an zwei Schwule :-&
tuilin (http://tuilin.blogspot.com)
20/01/2006 15:14 Uhr
Aufrichtig beten, ja, das ist verdammt wichtig. Zu "aufrichtig Beten" zählt für mich aber auch, nicht zu beten (im Sinne von Reden mit Gott), wenn ich keinen Bock drauf hab.
Eines möchte ich noch anmerken, es ist mir wichtig:
Ich denke nicht, dass Beten nur heißt, mit Gott zu reden. Es heißt weit mehr.
Beten ist Kommunikation mit Gott. Und Kommunikation ist ein großes Thema. Tanzen ist Kommunikation. Weinen ist Kommunikation. Nichts sagen ist Kommunikation. Und da man ja nicht NICHT Kommunizieren kann, ist eigentlich alles, was wir tun, Kommunikation. Und da Gott immer da ist und uns sieht, kommunizieren wir immerzu mit ihm.
Dave (http://www.thedesigncocktail.de)
01/02/2006 18:16 Uhr
Guter Artikel - wir haben letzte Woche im Hauskreis darüber diskutiert. Beziehungsweise den Artikel als Diskussionsgrundlage genommen.
Der Artikel hat mir auch persönlich geholfen, da ich dann doch irgendwie manchmal ein typischer Schallplatten-Beter bin (ihr wisst schon, immer das selbe und so...). Hat mich sozusagen wachgerüttelt. Danke. :)
Bend-x
11/02/2006 14:49 Uhr
Sehr cooler Text. Spricht mir total aus dem Herzen und rüttelt mich gleichzeitig wach!

Vor Gott ehrlich sein...--> Mit der Erwartung, dass er meine Perspektive/meinen Sinn wandelt...!

beFÄDTblessed!

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Yo, Frohe Ostern ne. Neben all der Schokolade, denkt doch mal dran, was eigentlich heute vor ein paar Jahren passiert ist.
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So, wer ist denn nun ein wahrer Nerd hier?
Rausfinden? Hier klicken. Ist allerdings komplett auf Englisch! Und so sah es bei mir aus: 86% scored higher (more nerdy), 1% scored the same, and 13% scored lower (less nerdy). What does this mean? Your nerdiness is: Not nerdy, but then again maybe not all that cool either.
11/03/2007
Borat DVD Verkaufsschlager.....in Kasachstan
So wie es aussieht ist Borat der Verkaufsschlager in Kasachstan. Unvorstellbar, aber das sind die neuesten Informationen nach Amazon. Mehr gibt es hier.
11/03/2007
xDeathstarx
Die neue xDeathstarx CD ist seit einigen tagen. Wenn ihr mal wieder volles Brett wollt, dann ist das genau die richtige CD. "We are the Threat" und viele andere Facedown Records CD's gibt es jetzt auch bei der deutschen itunes version zu kaufen
11/03/2007
Tours, Tours Tours...
Es stehen einige gute Touren vor der Tür. U. a.die Hammer harte Converge Tour mit Animosity und Rise and Fall. Hier also die Tours:

All That Remains, Misery Signal und Textures:
29.3.07 Berlin @ Magnet
30.3.07 Leipzig @ Conne Island
31.3.07 Bochum @ Matrix
01.04.07 Karlsruhe @ Stadtmitte
06.04.07 Trier @ Exhaus


Converge, Animosity und Rise and Fall

15.06.07 Wiesbaden @ Schlachthof
16.06.07 Trier @ Summer Blast Fest
17.06.07 Chemnitz @ AJZ, Never Say Die! Fest w/ Parkway Drive, Down To Nothing, Internal Affairs & Special Guest
19.06.07 Berlin @ SO36
20.06.2007 Schweinfurt @ Alter Stattbahnhof, Never Say Die! Fest w/ Parkway Drive, Down To Nothing, Internal Affairs, Misery Index, Dew Scented, Coldworker & Special Guest
22.06.07 Herne @ Pressure Fest
30.06.07 Münster @ Halle Münsterland, Vainstream Fest w/ Converge only!
14.07.07 Nürnberg @ Z-Bau, Terra X Fest w/ Sick Of It All
18.07.07 München @ Feierwerk

Job For A Cowboy, Unearth und Despised Icon

03.04.07 KÖLN @ UNDERGROUND/LIVE MUSIC HALL
04.04.07 BOCHUM @ MATRIX
05.04.07 HAMBURG @ GRÜNSPAN
06.04.07 BERLIN @ KATO/COLUMBIA CLUB
07.04.07 tbc , tbc @ tbc
08.04.07 CHEMNITZ @ AJZTALSCHOCK
09.04.07 ASCHAFFENBURG @ COLOS -SAAL
10.04.07 MÜNCHEN @ BACKSTAGE

Mehr Tours, mehr Infos und Ticket infos gibt es bei Avocado Booking Europe
21/02/2007
Abgang und zugang bei Facedown Records.
Gerüchten zu folge wollen Sinai Beach zu Facedown zurückkehren während Nodes of Ranvier schon offiziell auf der Victory Records Seite zu sehen ist.
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