Kultur-ironisch

Wer ist denn jetzt dekadent?

Ich mag sie nicht: diese elitären Deppen, die bei jeder Gelegenheit das alte Lied vom Untergang des Abendlandes anstimmen, die keine Gelegenheit versäumen, um die Kulturlosigkeit der Jugend in ihrer Sprache, ihrem Gebären und ihre gottverdammten Ideenlosigkeit zu beklagen. Nein, ich mag sie nicht. Aber heute musste ich doch aufhorchen:

Da sah ich eine Schulklasse, die aus unerfindlichen Gründen die Strapazen nicht zu groß fand, um einen Ausflug nach Heidelberg zu machen. Jetzt könnte man meinen: sie werden das Schloß besichtigen oder zumindest das Verpackungsmuseum oder irgendeinen alten Studentenkarzer oder sie werden sich zumindest im Zeichen der Toleranz Japaner angucken. Aber nein, von all dem vernahm ich nichts. Was ich jedoch en passant registrierte schockte sogar mich, als jemanden, der Popkultur mindestens genauso schätzt wie die sogenannte Hochkultur, die vermutlich auch nur altgewordene Popkultur ist: da sagte die Lehrerin ungelogen und unübertrieben: ich hab euch jetzt alles gezeigt: Meckes, H&M… ich würd sagen, wir treffen uns in 1,5 Stunden wieder hier. Da frag ich mich doch: musste es so weit kommen?

O tempora, O mores! Mehercle! Beim Barte des Sören Lippkau!

Früher zeigten einen die Lehrer wenigstens spassenhalber wo weitere Kultureinrichtungen zu finden wären, worauf man in einem Anfall pubertierender Rebellion einmal von der Leine gelassen alleine und automatisch Schnellrestaurants und Geschäfte von Interesse (die eh in jeder Stadt gleich sind) fand. Wenn jetzt die Lehrer schon von sich aus den Schülern so etwas zeigen müssen, wohin sollen die Schüler dann mit der Rebellion? Entweder sie platzen oder…oder…oder sie betreten in einem letzten Akt der Abgrenzung gegen eine permissive Generation aus Protest und in ihrem Teenagersein verunsichtert einen Ort langweiligster Hochkultur wie ein Museum oder so.

Das sollten wir nicht zulassen!

Ein Schelm…

…der dabei Schlimmes denkt:

Neulich war ich im Karstadt, da quäkte mir eine total unmotivierteLautsprecherstimme ins Ohr:

“Besuchen sich auch unsere Mädchenabteilung im 1. Stock mit vielen attraktiven Angeboten”.

Naja ein angeschlagener Konzern muss vielleicht auch einfach mal neue Wege beschreiten….

Ballermann für Brillenträger

Nachtleben inggshowphp.jpgst sehr einfach. Jeder will etwas, jeder hat etwas. Frauen haben die Handys, Männer das Geld. Männer wollen die Handy- oder sonstige Nummern und Frauen Freigetränke. Und so ist Nachtleben nur eine weitere, spezielle Form der Diplomatie. Frauen versuchen den Punkt herauszuzögern, an dem sie klar machen, dass es nichts klarzumachen gibt; Männer versuchen so zu tun, als ob sie gar nichts klarmachen wollten, sondern aus Philantrophie mit den Fuffis im Club umherschmeißen.

Der Hauptunterschied zwischen Ossis und Wessis ist ja bis heute ihr Verhältnis zu Schlangen. Das ist historisch gewachsen und mentalitätsgeschichtlich zu erklären. Aber es reicht zu sagen,dass es tief so tief in der Ostdeutschen Seele verankert ist, sich anSchlangen ordnungsgemäß hinten anzustellen, wie es in der Westdeutschen Seele verankert ist, nach Schlupflöchern zu suchen um sich möglichst schnell, möglcihst nach vorne zu drängeln.

Ich arbeite in der Bar unserer Mensa, in der ich auch oft  große Menschenansammlungen an der Kasse bezahlen wollen und besondere Missgunst lass ich all jenen dreisten Vordränglern zukommen, die die Unsolidarität auf ihre Stirn tätowiert haben scheinen. In der Logik der alten Bundesländer ist dies jedoch Unternehmergeist, der zu bewundern ist. Oder warum sagten damals so viele: “Naja Dieter Bohlen ist zwarein Arsch, aber er macht aus seiner Scheiße Gold und das ist bewundernswert.” Nein ist es nicht, sage ich und stelle mich derweil brav an die nächste Schlange an, nachdem ich brav an jeder roten Ampel anhalte.

Auch im Nachtleben gibt es Schlangen. Es gibt sie vor den Clubs und es gibt sie in den Clubs. Und auch hier gilt wiedermal der Satz: die Dreisten, die Lauten, die schmierigen Goldkettchen Hackfressen (nicht das sie immer explizit ein Goldkettchen umhaben) kommen immer am besten vorran.

Aber vielleicht ist auch das ganze Konzept Nachtleben eigentlich langweilig. Ich gebs zu:eigentlich suchte ich nur einen Grund um diesen geilen Antitainmentsong posten zu können. Und ich widme ihm den gestreiften Ponys im Karlstorbahnhof:

Antitainment - It ain’t no revolution

Komm wir gehn heut Nacht in die coolen Etablissements
Wo sich die Exklusivität in Getränkepreisen
Manifestiert und zählen Streifen auf den Ponys
Das klingt jetzt nicht so spannend,
doch wir werden einiges zu tun haben.
Und bei 1000 angekommen haben wir genug Gesprächsstoff
bis zum Morgengrauen zu quatschen
mit all den interessanten Leuten,
die paar und 80 das letzte Mal beim Friseur waren.
Und wir werden merken, hier sind wir alle gleich.

Freiheit, Gleichheit und Brigitte Fashion-Tipps.
Der derzeit angesagte Dresscode: ein bisschen verranzt,
ich lern bunt Spießigkeit übertünchen.

Konvention finden sie manchmal gar nicht gut
Konventionelle Alternativen, die gibt’s genug.
Zum Beispiel auch and diesem Freitag
Ballermann für Brillenträger

Heute Abend in die Disko
Alles klar ich bin dabei
Heute Abend Indie Disko
Ich brauch nur noch was zum anziehen.
Heute Abend in die Disko
Sind auch Frauen da?

Apocalypse Now!

In Max Payne heißt es:

“Nach Y2K ist die Apokalypse zu einem Klischee verkommen. Doch Nichts ist ein Klischee wenn es dir passiert.”

Vom inzwischen emeritierten Heidelberger Theologieprofessor Klaus Berger erzählt man sich, er besäße die weltweit größte Apokalypsensammlung. Dies ist nicht weiter erwähnenswert, aber wegen dieser umfangreichen Sammlung war die Statik seiner Wohnung gefärdet hieß es.

Man stelle sich das mal vor: Berger stellt nach Gebrauch ein dickes Buch mit Ledereinband und Goldschnitt zurück in sein Bücherregal und kommt daraufhin in seiner persönlichen Apokalypse um.

Der Heldentot für jeden Wissenschaftler: in Erfüllung seiner Pflicht, im Ringen um die Wahrheit und aufgrund seines unstillbaren Wissensdurstes zu Tode zu kommen.

stolz das blaue Halstuch tragen

 

Wenn mich die Leute- was nie vorkommt- fragen, wie meine finanzielle Situation aussieht, sage ich:

Ich bin so arm, ich nehme mir, wenn die Jungen Pioniere mit dem Bollerwagen vorbeikommen  und nach Altpapier fragen, ein altes, verranztes Neues Deutschland von vor zwei Monaten  mit Marmeladenglasabdrücken drauf, damit ich wenigstens einmal im Monat eine Zeitung habe.

Bratze und Juri Gagarin

“Es gibt immer wieder mal Gründe mal durchzudrehen”

Gestern war ich bei Juri Gagarin und Bratze im Teufel.

Das sind zwei dieser “wir kommen aus der Indieszene und machen jetzt Musik wie auf der Loveparade nur mit sympatischem Publikum und fast klugen Texten; damit auch die Emos mal abspacken” Bands.

Ich muss sagen: seit gestern versteh ich diese Art Musik. Und das obwohl ich Zweifel hatte, überhaupt dorthin zu fahren. Hatte Migräne, die Leute sind abgesprungen, Bus vor der Nase weggefahren. Es hat also mal wieder alles dagegen gesprochen. Und diese Art Abende sind meistens die besten.

Hier mal ein Video von Bratze:

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Beste Satz: “Längst komprimiert auf dem Datenstock. Hirn verklebt im Wechselstrom doch 1000 Klicks auf deinem Blog. Die weite Welt im Schlafzimmer. Ein kalter Kuss im Wendekreis. Dein Profil. Der wahre Hunger. Die vielen Freunde. Der Beweis.”

Und nur um mal meine Eingangsthese von den Emos, die Electro machen, zu Beweisen, hier das Video von der Hälfte von Bratze, die sich Clickclickdecker nennt und andere Musik macht.

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Bester Satz: “Diese Stadt ist ein verdammter Mutterbusen: jeder darf mal ran.”

die beste Definition von Männlichkeit…

…ist in der Bibel. Aber nur in King James Bibeln in der Hand amerikanischer Baptistenpfarrer.

Männlichkeit heißt: gegen Wände zu pinkeln aka. im stehen zu pinkeln. Und alles was falsch läuft in Amerika lässt sich darauf zurückführen, dass Männer im Sitzen pinkeln.

Hören wir, was Steven Anderson dazu zu sagen hat:

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Actionnachrichten

Der wunderbare Funny van Dannen hat ja mal den sehr richtigen Satz:

“Konjunktur das ist ein Wort, dass ich nicht mehr hören kann.” geäußert

Ich bin einer der Typen, die wenn sie gelangweilt vor dem PC hocken oder wichtige Rechercheaufgaben prokrastinieren wollen, nicht zuerst Russenschlampen.de ansurfen oder den Feedreader auschecken. Nein, ich guck aus Lang Interesse zuerst bei Tagesschau.de vorbei.

Aber an den meisten Tagen herrscht entweder Langeweile oder Tragik vor. Langeweile bedeutet Innenpolitik. Manchmal. Und Wirtschaftmeldungen. Immer. Sportmeldungen meistens. Es gibt doch nicht Langweiligeres als Arbeitslosenzahlen, Streiks im Öffentlichen Dienst oder Börsencrash. Klar, dass betrifft mich alles. Aber mal ehrlich: den Blutdruck treiben diese blau-hinterlegten Balkendiagramme lange nicht mehr hoch. Und dann diese MAZ genannten Einspieler:

Eine Einstellung auf den Deutschen Bundestag/das Kanzleramt/die Soundso-Parteizentrale und dann wird auf den zum Glück immer sonnen-phoben (eine sinnlose Wortschöpfung ich weiß) Himmel gezoomt mit der Anmoderation: “Schwere/schwarze Wolken am Himmel über Berlin. Und auch die Stimmung in der Koalition/Opposition/dem Bundestag wirkt düster.”

*moment ich muss mal wirklich Converge ausmachen, das ist keine Blog-Hintergrundmusik*

Manchmal gucke ich auch Mittagsmagazin und in der obligatorischen Service Ecke (hab ich erwähnt, dass ich mal für die Zeit bis Ostern Misanthrop sein will?) kommt dann Hansi Fischers berühmte Biomoderation: “Bio ist gerad voll im Trend. Immer mehr Verbraucher kaufen Bioprodukte. Doch was steckt hinter dem Boom?” Verbraucher ist übrigens ein cleveres Wort für Konsument. Doch das geht in Ordnung, solange es nicht mit dem Adjektiv “kritisch” gepaart auftritt. Kritisch ist ein Euphemismus für nörglerisch. Kritische Verbraucher sind die, die armen unterbezahlten McDonalds Verkäufern den Hamburger um die Ohren schlagen, weil das Gürkchen fehlt.

Wie auch immer. Innenpolitische Nachrichtenroutine langweilt mich. Ja ich weiß, ich bin ein ignoranter Penner.

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Convenient Surfing

Die Zielgruppe dieses Blogs sind ja anscheinend lediglich die Leute, die nicht wissen, wie man auf Youtube einen Account anlegt und die guten Kanäle aboniert. Damit ist dieser Blog das medientechnologische Äquivalent zu Convenient Food, also jenem überteuerten Fertigessen für Leute, die nciht wissen, wie man sich selbst eine Folienkartoffel macht und für eine abgepackte Kartoffel mit Creme Freche auch mal 3,5€ ausgeben. Naja der Vergleich hinkt, denn besonders convenient ist dieser Blog ja auch wieder nicht. Achja: es gibt ja auch welche, die nicht wissen, dass man auf Blogs nicht immer extra surfen muss; es gibt Programme, die das für dich machen. Leider gibt es noch keine Programme, die dich von der lästigen Pflicht befreien, Blogs auch zu lesen. Da merkt man schon, wie so Vielblogger nerven können, wenn dann da steht: Nerdcore hat 345 neue Einträge, dann überlegt man sich, ob man nicht einfach den Feed komplett rausschmeißt. Viele entschuldigen sich ja: ach schon wieder ne Woche nicht gebloggt. Blabla. Das ist Quatsch. Entschuldigen müssten sich vielblogger, die offensichtlich einen Weg gefunden haben, ihren Blog direkt mit ihrem Gehirn zu verbinden und via Gedankenkraft zu bloggen. Denn durch die anfallenden Datenmengen wird nur die Umwelt belastet.

Wie auch immer. Hier also diese Programme:

Feed Demon, ein kostenloser Feedreader.

Sage, ein in Firefox eingebundener Feedreader.

Aber eigentlich wollte ich nur die zum brüllen komische neue Kloss und Spinne Folge posten.

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Gangster Rap…

oder: “Wenn sich Müllmänner unterhalten, muss der Müll ja nicht mitreden können.”

Großartiger Beitrag von Polylux:

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