Kultur-ironisch

tighten up, dude

Das nenn ich einen gelungen Abend. The Jancee Pornick Casino waren gestern in der Villa Nachttanz nahe Heidelberg. Eine russisch-amerikanische Surfrockband aus Köln ;-D Sehr schöne Musik, auch ein paar nette Covers dabei. Ich hab mich buchstäblich zu Tode getanzt. Danach noch eine zweite Band und Balkan Beats Party. Hach, das tat gut.

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Hatte noch Kumpels aus Karlsruhe hier, die auch hier nächtigten. Dann ein gediegenes Frühstück aufm Balkon mit Kaffe, Rührei und Croissants sehr tight. Und jetzt entdecke ich gerade, dass Niels Frevert doch die beste Musik ist, wenn man leicht verkatert einen Sonntag überstehen will.

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Ballermann für Brillenträger

Nachtleben inggshowphp.jpgst sehr einfach. Jeder will etwas, jeder hat etwas. Frauen haben die Handys, Männer das Geld. Männer wollen die Handy- oder sonstige Nummern und Frauen Freigetränke. Und so ist Nachtleben nur eine weitere, spezielle Form der Diplomatie. Frauen versuchen den Punkt herauszuzögern, an dem sie klar machen, dass es nichts klarzumachen gibt; Männer versuchen so zu tun, als ob sie gar nichts klarmachen wollten, sondern aus Philantrophie mit den Fuffis im Club umherschmeißen.

Der Hauptunterschied zwischen Ossis und Wessis ist ja bis heute ihr Verhältnis zu Schlangen. Das ist historisch gewachsen und mentalitätsgeschichtlich zu erklären. Aber es reicht zu sagen,dass es tief so tief in der Ostdeutschen Seele verankert ist, sich anSchlangen ordnungsgemäß hinten anzustellen, wie es in der Westdeutschen Seele verankert ist, nach Schlupflöchern zu suchen um sich möglichst schnell, möglcihst nach vorne zu drängeln.

Ich arbeite in der Bar unserer Mensa, in der ich auch oft  große Menschenansammlungen an der Kasse bezahlen wollen und besondere Missgunst lass ich all jenen dreisten Vordränglern zukommen, die die Unsolidarität auf ihre Stirn tätowiert haben scheinen. In der Logik der alten Bundesländer ist dies jedoch Unternehmergeist, der zu bewundern ist. Oder warum sagten damals so viele: “Naja Dieter Bohlen ist zwarein Arsch, aber er macht aus seiner Scheiße Gold und das ist bewundernswert.” Nein ist es nicht, sage ich und stelle mich derweil brav an die nächste Schlange an, nachdem ich brav an jeder roten Ampel anhalte.

Auch im Nachtleben gibt es Schlangen. Es gibt sie vor den Clubs und es gibt sie in den Clubs. Und auch hier gilt wiedermal der Satz: die Dreisten, die Lauten, die schmierigen Goldkettchen Hackfressen (nicht das sie immer explizit ein Goldkettchen umhaben) kommen immer am besten vorran.

Aber vielleicht ist auch das ganze Konzept Nachtleben eigentlich langweilig. Ich gebs zu:eigentlich suchte ich nur einen Grund um diesen geilen Antitainmentsong posten zu können. Und ich widme ihm den gestreiften Ponys im Karlstorbahnhof:

Antitainment - It ain’t no revolution

Komm wir gehn heut Nacht in die coolen Etablissements
Wo sich die Exklusivität in Getränkepreisen
Manifestiert und zählen Streifen auf den Ponys
Das klingt jetzt nicht so spannend,
doch wir werden einiges zu tun haben.
Und bei 1000 angekommen haben wir genug Gesprächsstoff
bis zum Morgengrauen zu quatschen
mit all den interessanten Leuten,
die paar und 80 das letzte Mal beim Friseur waren.
Und wir werden merken, hier sind wir alle gleich.

Freiheit, Gleichheit und Brigitte Fashion-Tipps.
Der derzeit angesagte Dresscode: ein bisschen verranzt,
ich lern bunt Spießigkeit übertünchen.

Konvention finden sie manchmal gar nicht gut
Konventionelle Alternativen, die gibt’s genug.
Zum Beispiel auch and diesem Freitag
Ballermann für Brillenträger

Heute Abend in die Disko
Alles klar ich bin dabei
Heute Abend Indie Disko
Ich brauch nur noch was zum anziehen.
Heute Abend in die Disko
Sind auch Frauen da?

Apocalypse Now!

In Max Payne heißt es:

“Nach Y2K ist die Apokalypse zu einem Klischee verkommen. Doch Nichts ist ein Klischee wenn es dir passiert.”

Vom inzwischen emeritierten Heidelberger Theologieprofessor Klaus Berger erzählt man sich, er besäße die weltweit größte Apokalypsensammlung. Dies ist nicht weiter erwähnenswert, aber wegen dieser umfangreichen Sammlung war die Statik seiner Wohnung gefärdet hieß es.

Man stelle sich das mal vor: Berger stellt nach Gebrauch ein dickes Buch mit Ledereinband und Goldschnitt zurück in sein Bücherregal und kommt daraufhin in seiner persönlichen Apokalypse um.

Der Heldentot für jeden Wissenschaftler: in Erfüllung seiner Pflicht, im Ringen um die Wahrheit und aufgrund seines unstillbaren Wissensdurstes zu Tode zu kommen.

Actionnachrichten

Der wunderbare Funny van Dannen hat ja mal den sehr richtigen Satz:

“Konjunktur das ist ein Wort, dass ich nicht mehr hören kann.” geäußert

Ich bin einer der Typen, die wenn sie gelangweilt vor dem PC hocken oder wichtige Rechercheaufgaben prokrastinieren wollen, nicht zuerst Russenschlampen.de ansurfen oder den Feedreader auschecken. Nein, ich guck aus Lang Interesse zuerst bei Tagesschau.de vorbei.

Aber an den meisten Tagen herrscht entweder Langeweile oder Tragik vor. Langeweile bedeutet Innenpolitik. Manchmal. Und Wirtschaftmeldungen. Immer. Sportmeldungen meistens. Es gibt doch nicht Langweiligeres als Arbeitslosenzahlen, Streiks im Öffentlichen Dienst oder Börsencrash. Klar, dass betrifft mich alles. Aber mal ehrlich: den Blutdruck treiben diese blau-hinterlegten Balkendiagramme lange nicht mehr hoch. Und dann diese MAZ genannten Einspieler:

Eine Einstellung auf den Deutschen Bundestag/das Kanzleramt/die Soundso-Parteizentrale und dann wird auf den zum Glück immer sonnen-phoben (eine sinnlose Wortschöpfung ich weiß) Himmel gezoomt mit der Anmoderation: “Schwere/schwarze Wolken am Himmel über Berlin. Und auch die Stimmung in der Koalition/Opposition/dem Bundestag wirkt düster.”

*moment ich muss mal wirklich Converge ausmachen, das ist keine Blog-Hintergrundmusik*

Manchmal gucke ich auch Mittagsmagazin und in der obligatorischen Service Ecke (hab ich erwähnt, dass ich mal für die Zeit bis Ostern Misanthrop sein will?) kommt dann Hansi Fischers berühmte Biomoderation: “Bio ist gerad voll im Trend. Immer mehr Verbraucher kaufen Bioprodukte. Doch was steckt hinter dem Boom?” Verbraucher ist übrigens ein cleveres Wort für Konsument. Doch das geht in Ordnung, solange es nicht mit dem Adjektiv “kritisch” gepaart auftritt. Kritisch ist ein Euphemismus für nörglerisch. Kritische Verbraucher sind die, die armen unterbezahlten McDonalds Verkäufern den Hamburger um die Ohren schlagen, weil das Gürkchen fehlt.

Wie auch immer. Innenpolitische Nachrichtenroutine langweilt mich. Ja ich weiß, ich bin ein ignoranter Penner.

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euch die Kante geben

Es gibt wenige Bands, die mich so flashen wie Kante. Ok vielleicht gehen ihre Texte in Richtung Hirnwichse, aber sie sind nciht so kryptisch wie Tocotronic. Sie treffen einem meistens im Kern der Existenz, in der Tiefe. Und vor allem haben sie eine erfrischende Art, ihre Text zu schreiben. Im Regelfall kann man ihre Lieder mehr mit einem Gemälde vergleichen als mit einem Gedicht. Sie weben mit ihrer Musik und der Sprache Texturen von dem rasanten Tempo einer wachsenden Großstadt (”die Stadt verwischt die Spuren”), machen ein 6-minütiges Lied über den kurzen Moment, an denen sich Blicke treffen (”Wenn man im Atmen inne hält”)  oder vergleichen die gesellschaftlichen Umbrüche vor denen wir stehen mit der knisternden Atmosphäre vor einem Gewitter (”die Tiere sind unruhig”).

Und durch alles: die Aufmerksamkeit auf die Details des Lebens, Entschleunigung und eine fragile Hoffnung auf eine Zukunft.

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