Kultur-ironisch

Macs, Kaffee und Fugenmörtel

Es tut mir Leid, aber wenn noch einer von euch da draußen über Kaffee oder über Macs bloggt, muss ich ihm leider auf die Schuhe kotzen. Das ist dann nicht persönlich gemeint, das ist eine reine biologische Abwehrreaktion. Ein bisschen wie Stan in Southpark.

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Meine Güte, muss man sich wirklich so einem Klischee hingeben? Kaffee nebenbei ist ein Getränk. Nicht mehr. Kein Lifestyle, wirklich nicht. Es ist ein nützliches Getränk, denn es gibt einen wenigstens das Gefühl nach einer durchzechten Nacht etwas tun zu können, um wieder in die Gänge zu kommen. Nüchtern betrachtet ist es nicht mal ein besonders leckeres Getränk. Warum gibt man denn sonst 1-2 € mehr dafür aus, dass noch extra Milchschaum und Sirup und Kakaopulver beigemischt wird? Es gibt schlechtere Getränke, aber auch bessere.

Aber nun zum ewigen Macbloggen. Keine Ahnung wie ein Mac so ist. Ich hab nicht mal n iPod wegen: is nicht. Auch wenn ich damit rein rechnerisch wohl schon zu den Globalisierungsverlieren zähle, leidet mein Selbstwert darunter kaum (das kann man übrigens messen in so Studien wo man vorm Computer hockt und auf Tasten drückt und der misst wie lange du brauchst um bestimmte Wörter zuzuordnen). Im Gegenteil: sowas trägt ja auch zur Identitätsstiftung bei. Man wird durchdrungen von einer Solidarität mit allen anderen Globalisierungsverlierern: der Belegschaft des Nokia Werkes, der Dritten Welt und Eva Hermann.

Aber warum diese Markengeilheit? Na klar, spätestens seit der letzten Shell Studie weiß man: wir sind eine Generation von Aufsteigern nicht Aussteigern blabla. Ich werde da ja auch nicht grundsätzlich: klar ist es einfacher zu sagen: „Gib mir mal gerade die Nutella tm“ als zu sagen: „Reich mal die Nussnougatcreme rüber“. Und es ist auch nicht ganz falsch zu sagen: „Nutella schmeckt besser als Duo Penotti Schokocreme mit 3mal mehr Geschmack“, aber würde man sich solche Erkenntnisse auf die Stirn tätowieren? Ließe man sich T-Shirts drucken? Würde man Tag und Nacht seinen Freunden von der Funktionalität des wohlgeformten Schraubdeckels vorschwärmen? Würde man Gerüchte über das neue Nutella Air mit Screenshots auf Blogs verbreiten, (weil das ja so toll und gesund ist, was daran liegt, dass das Glas besonders schmal ist und nur noch 50g Nutella enthält)?

Neulich las ich auf einem Blog den Satz: „Ich zog eine Jeans aus dem Schrank“. Was eigentlich nicht besonders schlimm wäre, wenn nicht stattdessen der Satz stünde: „Ich zog meine Dickies aus dem Billy Regal.“. Dieser Satz war zu viel für mich. Mich überkam ein Anfall akuter Atemnot begleitet von diesen roten Pusteln an den Schläfen. So beschloss ich, mich erstmal eine halbe Stunde hinzulegen, nachdem ich eine “Cetirizin” einwarf (natürlich von Ratiopharm!).

Dieses Bedürfnis aus dem Alltäglichen das Besondere zu machen trifft man so ja auch nur im Katholizismus an. Grundsätzlich ist es ja nicht verkehrt, aus einer Ware ein Sakrament zu machen. Das schönste deutsche Wort ist ja nicht umsonst „Habseligkeit“. Nur: eine Habseligkeit ist eine Plattensammlung oder eine alte Truhe aus dem 30jährigen Krieg, kein überteuerter PC, der in einem Jahr wieder völlig überholt ist. Es ist einfach nicht die Zeit, um sich (in so einer Weise an eine Marke) zu binden.

In der Bloghierarchie sollen ja Appleblogger im oberen Drittel anzusiedeln sein, ungefähr auf Höhe der Watchblogs. Vielleicht ist Apple wirklich der Fugenmörtel der jungen kreativen Hipness.

Ich aber sage euch: keinen Mac zu haben ist mehr als einen Computer nicht zu haben; es ist ein Lifestyle.

4 Reaktionen zu “Macs, Kaffee und Fugenmörtel”

  1. dasaweb

    Du bist mein Schatz ;o)

  2. dave

    du sprichst mir aus der seele.

    …”the hardest thing about buying a MAC? telling your parents that you’re gay.”

  3. depone

    hehe. schön wie du das durch die pornobrille siehst. soll ich die stichworte sagen oder besser bei der nächsten gelegenheit wieder darauf zu sprechen kommen? :)

  4. warnschild

    Macht Spaß, das zu lesen, vor allem natürlich die Selbstwertgeschichte. Dafür gibts ne 1, klar! ;-)

    Aber Kaffee hat schon was für sich. Allerdings: Drüber bloggen - naja.

    Ich werd jetzt aber dennoch nicht aufpassen, ob ich nicht in nächster Zeit nebenbei wieder ne Tasse Kaffee in meinen Texten auftauchen lasse. Die gehört für mich halt doch dazu wie der Milchschaum auf den Cappuccino …

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