Kultur-ironisch

Review: Hart aber fair

Gerade kam Hart aber fair, die zweite und wie ich gleich feststellen werde, bessere Polittalkshow, die das ARD ausstrahlt.

75 Minuten tauschen sich i.d.R. 5 Gäste aus Politik und Gesellschaft über meist innenpolitische Fragen aus. Man muss dazu sagen: es scheinen selten mehr als 3 Politiker anwesend zu sein. Es gibt da teilweise recht skurille Gäste, wie heute als ein recht lebensfroher Kapuzinermönch den Politikern Solidarität beibrachte. Beachtenswert ist, dass während alle Gäste an einem Panel sitzen, der Moderator Frank Plasberg steht, was seiner geschickten Moderationstechnik auch entgegenkommt. Er ist der, mal rheinisch-joviale, mal oberhlehrerhaft-autoritäre Dirigent, der die Beredtsamkeit seiner Gäste auch gern mal harsch unterbricht, wenn er den Eindruck hat, hier wird sich nicht ausgetauscht, sondern in typische Politikerrollen zurückgefallen: die Wahlkampftirade, der ewige Wechsel von Angriff und Gegenangriff etc.

Sicher, es scheint mir so, dass das jede Talkshow bisher versucht hat, aber im Ernst: Anne Will kann sich bisher kaum durchsetzen und über Sabine Christiansen, die die Kunst beherrschte immer genau dann zu unterbrechen, wenn es interessant gewesen wäre, brauchen wir nicht mehr zu reden. Plasberg stellt sich - und hier ist die Metapher den Dompteurs vielleicht angebrachter- auch mal direkt vor das Panel, um den Redefluß zu unterbinden. Manchmal wirkt er dabei fast schon ein wenig autoritätsgeil, aber das sei ihm ja vergönnt.

Auf der anderen Seite, die dann wohl die “fair” Seite wäre, hat er klare Gesprächsregeln: auf einen Angriff kriegt der Betroffene immer Zeit zur Gegendarstellung und es wird konsequent versucht zu verhindern, dass einzelne die Runde zu sehr dominieren.

Aufgelocktert wird das ganze durch Einspieler- ja es war wohl Plasberg, der die Methode zum ersten Mal konsequent in seine Sendung übernahm, alle anderen haben das wohl nachgemacht. Diese Einspieler versuchen dabei die politischen Positionen ironisch anzugreifen; entweder in Form von “ihr sagt das und das - die Realität ist so und so” Clips oder mit Zitaten, Fotomontagen etc. Es ist humorvoll, aber der Humor ist sicher ausbaufähig. Sicher, das ist vielleicht zur Zeit die Obergrenze, die man deutschen Politikern zumuten kann. Dann gibt es oft Gäste im Publikum; die dann das “echte Leben”, “die harte Realität” etc. repräsentieren; der unterbezahlte Lehrer, die alleinerziehende Frau etc. das kennt man ja mitlerweile. Einzigartig ist der “Faktencheck”; die Statistiken, die Politiker gerne zu solchen Talkshows mitbringen werden über Nacht gegengechekt und im Internet veröffentlicht. Apropos: ein Podcast der Sendung ist dort ebenfalls zu erhalten.

Erinnerlich ist mir eine sehr mutige Sendung, in der offen über den Sinn und Unsinn des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gesprochen. Auch ansonsten steht Plasberg gern auch mal zu unpopulären Aussagen, zum Beispiel stellte er die gern und oft gehörte Klage gegen Diätenerhöhung Fakten gegenüber, die zeigten dass deutsche Politiker vergleichsweise schlecht verdienen.

Die meisten Talk-Shows sind weniger Gespräch und mehr das Aneinanderreihen von Monologen. Diese Dynamik versucht Hart aber faif zu durchbrechen. Es täte sowohl der politischen Kultur im Land als auch den Blutdruckwerten unserer Politiker gut.

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