Zum Kreativsein: Hochbett
Willst du kreativ sein? Suchst du fette Assoziationen und die eine durchschlagende Idee? Vergiss Mindmaps und Brainstorming! Es gibt nur 3 Möglichkeiten für eine gute Idee, die dich packt und die in deinem Kopf arbeitet und deine Konzentration ohne die Möglichkeit für eine Lösegeldübergabe kidnappet.
Da wäre zunächst: das Hochbett. Ich hatte bis vor einigen Jahren ein Hochbett und irgendwie war die Leselampe daran ständig kaputt. Das heißt: wenn ich diese knarrende Holzleiter hochstieg, gab es eigentlich vor dem morgendlichen Aufstehen kein zurück. Als ich noch kein Student war und deshalb zu normalen Zeiten aufstehen musste, gab es etwas, dass besonders gut den Kopf in Gang brachte: Sonntag Abend. Geht man Sonntag abends in ein Hochbett- so eine alte Bauernregel aus dem Westfriesischen- kommen 1000 wichtige Gedanken. Man liegt dann da im Dunkeln und überlegt sich wie wenig man nur noch zu schlafen hat. Aber man kann eh nicht schlafen, weil einen die Idee nicht loslässt. Mein Kopf – und das solltest du wissen, liebes Leser- ist überregional bekannt dafür, eine Art David Copperfield zu sein. Ein Illusionskünstler. Wie ein Zauberer aus dem Hut sinnlos Häschen zaubert, ist mein Kopf dufte darin, aus wenig Input viel Verarbeitung und ein bisschen wirren Output zu zaubern. Und so verarbeitet und grübelt mein Hirn. Und man rechnet, ob es sich lohnt die Treppe runter zusteigen und diesen genialen Gedanken aufzuschreiben. Aber zum einen ist man ohne Taschenrechner aufgeschmissen mit 4 Punkten in Mathe, zum anderen hat man eh keine Wahl. Denn mein Kopf – und ich hoffe, dass du liebes Leser, das nicht gegen mich verwendet- ist auch ein bisschen wie der Pate: er macht mir ein Angebot, dass ich nicht ablehnen kann. Wenn ich nicht seinem Befehl gehorche, nimmt er mir das, was mir auf der Welt am wichtigsten ist: meinen Schlaf.
Also steige ich herab von diesem Einrichtungsgegenstand, der in keiner Folterkammer fehlen darf und kritzle schnell irgendwas auf Papier. Am nächsten morgen stehe ich dann auf, merke, was das für ein überflüssiger Scheiß war, zerknülle es und werf es in den Papierkorb (vielleicht bis hoffentlich endet dieser Eintrag auch so).
Dann die Busfahrt. Darauf kam jeder schon, aber ein wichtiges Utensil muss man auf jeden Fall vergessen: Block und Bleistift. Gute Gedanken kommen immer nur dann, wenn man fern von jeder Möglichkeit ist, sie aufzuschreiben.
Zuletzt: Du musst lernen wollen. Du musst dir ganz fest vornehmen, jetzt nicht Ideen zu kreieren sondern zu reproduzieren. Du musst dich hinsetzen und einen Wecker auf 17:15 Uhr stellen, in der festen Absicht, bis dahin Papyrologie und Numismatik zu lernen, nachdem du kurz die Blogs gecheckt hast. Aber das wird gar nicht nötig sein, denn ein eigentlich unbedeutender Blick auf deine Strümpfe wird eine Gedankenlawine lostreten unter der dein „good will“ begraben wird, wie Bono im einstürzenden Rockstadion. Denn du überlegst dir, was dir deine Schwester sagen will, indem sie dir jedesmal diese „kreativen“ H&M Strümpfe zu Weihnachten schenkt. Letztes Jahr diese emomäßigen Sternchenstrümpfe, diese Jahr diese verdammt punkrockmässigen Totenkopfstrümpfe. „Gestern ein Star, morgen tot“? Nein, denn für so viel memento mori hällst du sie nicht fähig. „Wechsle öfter deine Strümpfe, du stinkst!“? „Ich hab keine Ahnung was du für Hobbies hast, also schenk ich dir was Nichtssagendes“?
Man weiß es nicht. Man weiß nur, dass man sich nicht ewig vom Paten, vom „Godfather“ terrorisieren lassen darf. Also werd ich mich aufrappeln- es ist mittlerweile 17:24 Uhr- und Numismatik lernen. Direkt nachdem ich das hier gepostet hab….